Jirka Pfahl

Sprache also Zarathustra

12.06.–24.07.2026

Woher kommen Ideen? Und vor allem: Wie werden sie umgesetzt und kommuniziert? Jirka Pfahl untersucht, wie aus Gedanken, Regeln oder digitalen Prozessen Gegenstände und Kunstwerke entstehen. Dabei interessiert ihn besonders die Frage, wann etwas wirklich neu und eigenständig ist, auch wenn es auf vorhandenen Ideen, Kopien oder technischen Verfahren basiert.

In Anspielung auf Nietzsches philosophischen Roman „Also sprach Zarathustra“ rückt er in seiner Einzelausstellung „Sprache also Zarathustra“ die Sprache und ihr Spiel in den Vordergrund.

Dabei wirft er grundlegende Fragen auf: Was bedeutet Sprache, und welchen Stellenwert nimmt sie ein? Ist sie lediglich ein Werkzeug, das wir benutzen, oder formt sie zugleich unser Denken und unsere Wahrnehmung? Zugleich wird ihre Vielschichtigkeit behandelt: als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel, als archivierendes System, als Skript, als Programm usw.

Beispielsweise fügen sich in „Ba Ding Ba Ding Occurrency“ in 22 zusammenhängenden, an Zeichnungen erinnernden Arbeiten Kringel, Symbole und mathematisch anmutende Zeichen zu einer scheinbar kontinuierlichen Abfolge zusammen. Ausgangspunkt sind Laute einer Beatbox-Session aus dem Jahr 2011 im Kunstraum Michael Barthel: Jirka Pfahl und weitere Beteiligte experimentierten in einer Performance mit Lauten als Ausdruck, Rhythmus und Kommunikation. Festgehalten wurde dieser akustische Prozess von der Realtimerin Daniela Siebert. Anschließend wurde dieses Skript von Christine Tahler in klassische Stenographie überführt.

2014 wurde „Ba Ding Ba Ding Occurrency“ zudem im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) aufgeführt. Ein Zusammenschnitt der Performance ist online abrufbar: https://zkm.de/de/media/videos/jirka-pfahl-ba-ding-ba-ding-occurency-2014

Sprachsysteme erscheinen besonders in der digitalen Welt und der Mathematik in Form von Programmiersprachen, Codes, Algorithmen und formalen Systemen. Jirka Pfahl thematisiert dabei das Spannungsfeld von Zufall und Ordnung sowie Fragen der Autorschaft: Kann ein Algorithmus oder Skript als Urheber seiner Ergebnisse gelten, oder bleibt es der Schöpfer des Systems?

Mithilfe von Permutationen, also der unterschiedlichen Anordnung aller Elemente einer Menge in einer bestimmten Reihenfolge, ordnete er beispielsweise in „Candy“ Smarties aus Smartiepackungen neu an. Jedes Bild zeigt alle möglichen Anordnungen einer Packung, die er mit Pastellstiften nachbildet. „Die Smarties“, sagt er, „sind mir ein Autor geworden.“

Auch seine Faltarbeiten folgen einer solchen Logik: ein von ihm selbst geschaffenes digitales Skript gibt vor, wie er das Papier faltet und zuschneidet. In „Permutation von sechs Spalten“ ist dieses Skript als Zeichnung umgesetzt. Neben dem Prozess wird auch das Ergebnis sichtbar: Die von Hand bearbeiteten Papierbögen bilden eine geometrische Struktur, die wie eine Landschaft aus Pyramiden und Rauten wirkt. Sie werfen Schatten, arbeiten mit Licht und Ebenen und verändern je nach Blickwinkel ihre Wirkung. Dabei spielen sie mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund und lassen durchblicken, was sich dahinter verbirgt.

Insgesamt schafft Jirka Pfahl in seiner Einzelausstellung „Also sprach Zarathustra“ eine Installation, die Raum zum Nachdenken eröffnet und ergänzt die Komplexität und Tiefgründigkeit seiner Werke mit subtilen und liebevollen Humor.

Die ODP Galerie lädt herzlich zur Eröffnung am 12.06. um 19:00 Uhr ein.


Grafik: Kay Bachmann
Text: Lena Kerschensteiner

In der Ausstellung SPRACHE ALSO ZARATHUSTRA